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Flugente goes Pilot oder ein Jahr VL3 Evolution

Der Mensch träumt schon seit Jahrhunderten vom Fliegen und wie oft hört man den Ausspruch, dass nur Fliegen schöner sei – vorstellen konnte ich mir den Wahrheitsgehalt dieser Sätze schon immer, seit diesem Jahr jedoch verstehe ich sie.

Es hat mich Mitte dieses Jahres zurück in meine Heimat verschlagen. Nach fast fünf Jahren in der Finanzmetropole Frankfurt am Main wollte ich mich der Aufgabe widmen, das Marketing für ein Ultraleicht-Flugzeug, die VL3 Evolution, in Deutschland zu betreiben. Auf dem Papier hören sich die Eigenschaften des Fliegers ja sehr überzeugend an: 260 km/h Reisegeschwindigkeit, Reichweiten von über 2000 km, ökonomisch, komfortabel und alles elegant verpackt in sportlichem Design.  Nun sind für meine Arbeit im Bereich Marketing jedoch zwei Faktoren entscheidend: erstens Grundlagen zu beherrschen, in meinem Fall also das Fliegen zu erlernen und zweitens aus Überzeugung zu handeln. Immerhin möchte ich ein zu vermarktendes Produkt ja nicht nur verstehen, sondern wirklich dazu stehen.

  • Den Alpen hautnah - VL3 Alpentraining in Südfrankreich
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution

Ein Flieger zum Anbeißen

Zugegeben, Fliegen hat mir auch schon vom Co-Pilotensitz Freude bereitet, die Faszination dafür hat mich aber erst während der Flugschule ergriffen. Gute Neuigkeiten: die Sache mit der Fluglizenz hat überaus hervorragend funktioniert - nach nur drei Wochen für Theorie und Praxis war ich stolze Inhaberin der Sportpilotenlizenz.

Nun kann man sich als angehende Pilotin nicht zwingend vorstellen, dass zwischen den Maschinen in Bezug auf deren Flugeigenschaften einschlägige Unterschiede existieren. Hauptsache man besitzt die Affinität zum UL-Fliegen und schätzt die Freiheit sowie den Perspektivenwechsel, die es einem gibt – Maschine hin oder her. Falsch gedacht, wie sich herausstellte! Um das klar zu stellen: Ich bin wirklich ein gnadenloser Verfechter meiner Ausbildungsmaschine, die mir in meiner Ausbildungszeit sehr treue Dienste erwiesen hat. Verliebt, habe ich mich letztlich aber in eine andere: die VL3 Evolution.

Ich bin in meinen besten Zwanzigern. Mir wurden nie Grenzen gesetzt, die Welt zu bereisen und sie in all ihren Facetten kennenzulernen. Eben dieses Privileg habe ich schon immer vollends ausgekostet und es liegt mir fern, es aufzugeben. Das Fliegen mit der VL3 hat mir dieses Privileg nicht nur erhalten, sondern dessen Intensität und Ausmaß an positiver Wahrnehmung sogar noch verstärkt. Nicht nur, dass ich schnell, flexibel und ökonomisch an die schönsten Plätze Europas reisen kann. Durch ihre Stabilität und das gutmütige Handling schenkt sie auch noch unvergleichbaren Komfort. Packt man sich für längere Touren dann auch noch ein paar Schnittchen ein, fühlt man sich geradezu wie in der Miniaturausgabe eines Airliners inklusive Bordservice.

Inspiriert durch einen Eigner der VL3, der die Ausflüge mit seiner Maschine in 2016 auf einer einfachen Google Karte dargestellt hat, verstoße ich gegen meine Prinzipien und mache es ihm schlichtweg nach. Ich berichte über ein halbes Jahr VL3 Evolution – ungeniert, aus den Augen einer Jungpilotin.

  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution

Nicht nur gucken, sondern anfassen

Bei meiner ersten Begegnung mit der VL3 als Pilotin stand ich ihr wie die Maus vor der Katze gegenüber – nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Die zusätzlichen Funktionen, wie Einziehfahrwerk und Verstellpropeller sowie die Geschwindigkeitsunterschiede zu den UL, die man in der Ausbildung normalerweise fliegt, sind selbstverständlich eine Umstellung – von wegen Platzrunde, eher Platzründchen. So dienten meine ersten Flüge mit der VL3 u.a. der Einweisung und persönlichen Weiterbildung. Flug um Flug lernte ich nicht nur die Maschine besser kennen, sondern entdeckte mit ihr gleichzeitig mir bis dahin unbekannte, aber wunderschöne Ecken Deutschlands und Europas. Heute, sechs Monate später, lässt mich die Katze ihre Samtpfoten spüren und ich weise zuweilen ein gewisses VL3-Erlebnis-Suchtverhalten auf.

Überflieger

Meine Reise mit der VL3 begann nur aus Erzählungen. Ende Juni unternahmen fünf deutsche VL3 Maschinen einen Trip nach Rumänien. 4400 km in 18:57 Flugzeit in vier Tagen gespeist mit unerwartet beeindruckenden Landschaften, Plätzen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, aber vor allem überglücklichen Piloten. Von Deutschland über Transsilvanien bis hinunter an das Donaudelta erkundeten die Teilnehmer staunend den Osten Europas mit ihren Fliegern. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich die überschwängliche Euphorie der Teilnehmer nur zu Teilen nachvollziehen. Allerdings wusste ich da auch noch nicht, was mich erwartete.

Etwa zur selben Zeit bereiteten sich zwei Besatzungen auf ein unglaubliches VL3-Abenteuer vor – die Überquerung des Atlantiks von Belgien in die USA, um an der EAA Airventure in Oshkosh teilzunehmen. Allein die Bilder von der VL3-Challenge ließen meine Gänsehaut nicht unberührt, ganz zu schweigen von der Leistung an sich. (www.vl3-challenge.eu). Dass es ein Ultraleicht u.a. schafft an einem Tag 2500 km von Island nach Kanada zu fliegen, beeindruckte Piloten aus aller Welt – mich eingeschlossen!

  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution

Katzensprünge

Frei nach dem Motto „Man muss es ja nicht gleich übertreiben“ führte mich meine erste “Reise“ zu einem mir wohlbekannten Ziel: nach Vysoke Myto in der Tschechischen Republik. Dieses Mal jedoch mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass mich die Strecke (217 km) zur VL3-Produktionsstätte nicht wie normalerweise mühsame über dreieinhalb Stunden Fahrtzeit mit dem Auto kostete, sondern sich mit nur 0:45 Minuten Flugzeit zum Katzensprung umwandelte. Gepaart mit der Aussicht aus dem Cockpit und dem Gefühl des Fliegens, konnte ich mich mit bestem Gewissen darauf einlassen, den Weg ab sofort häufiger auf mich zu nehmen.

Ebenso als Katzensprung erwies sich der kurz darauffolgende Ausflug nach Locarno am Lago Maggiore, der mir zu meinem erfolgreich bestandenen Flugschein geschenkt wurde und mir zweifellos demonstrierte, wie unkompliziert Reisen sein kann. Ich mag spontane Kurztrips – ab und an für ein paar Tage den Kopf frei bekommen und sich von fernen Orten und deren Menschen zu neuen Ideen inspirieren lassen. In meiner Vor-VL3-Zeit war meine geliebte Spontaneität jedoch auch gerne häufig mit mittelschweren Hindernissen verbunden. Im Verhältnis dazu war der Flug in die schweizerisch-italienische Grenzregion an sich schon Erholung: Frühstück mit frischem Kaffee um neun Uhr, Aufbruch zum Flugplatz um halb zehn, Start um kurz nach zehn.  687 km, knapp 50 Liter und drei Stunden gefüllt mit grandiosen Aussichten auf u.a. den Bodensee, den San Bernardino Pass und natürlich die majestätischen Züge der Alpen, später, liegt die Idylle des Lago Maggiore nach einer letzten Rechtskurve unbeschreiblich schön direkt vor einem. Überwältigt von der Gesamtsituation und dem Flug bin ich nach der Landung im Auto für meine Verhältnisse ziemlich still.  Zumal sich meine fliegerischen Erfahrungen auf das Steigen auf circa 13.000 Fuß und das Verhalten in Alpentälern unter Faszination ausgedehnt haben. Nach drei Tagen italienischen Gaumenschmaus, Bergspaziergängen (mit dem Flieger macht man eindeutig schneller Höhenmeter) und Baden im See erhält das Alpenparadies den Vermerk Wiederholungsbedarf auf der Kurztripliste. Trotzdem freue ich mich auf den Rückflug, der zwar mit einigen Knötchen mehr Wind und den damit verbundenen üblichen Rotoren in den Alpen verbunden ist, aber dank der Stabilität der VL3 mindestens genauso entspannt abläuft wie schon in entgegengesetzter Richtung. Touché an den Mini-Airliner, dessen Leistungen mich wieder einmal strahlen ließen.

Höhenflüge in Chambery

Nach einigen zwischenzeitlichen Kurzstrecken zur Verbesserung meiner Eigenschaften als Pilotin erwartete mich im September meine bislang größte fliegerische Herausforderung sowie längste Strecke mit der VL3. Von unserem Heimatflugplatz über die Flugplätze Tannheim, Bad Dürkheim und Koblenz galt unser Ziel, Chambéry in den südfranzösischen Alpen, als Ausgangspunkt zur Erkundung von Altiports. Allein der Hinflug inklusive Landschaften und Zwischenlandeplätzen war so abwechslungsreich wie die Auswahl an wohlschmeckendem Gelati beim Lieblingsitaliener – eine bunte Mischung aus Grasbahn im Alpenvorland, kurzer Landebahn gespickt mit Windeinflüssen von Weinbergen in Rheinland-Pfalz, Landebahn auf Hügel im Rhein-Main-Gebiet und Verkehrslandebahn inmitten der südfranzösischen Alpen in zwei Tagen. Das Abenteuer Angebot der Altiports allerdings ließ das erlebte Spektrum schnell blass aussehen – Bahnen mit Längen ab 270m, in bis zu 7000 Fuß über dem Meeresspiegel und mit Steigungen von bis zu 19 Prozent. Sie heißen Megeve, Meribel, Courchevel, L’Alpe d’Huez sowie Valloire und gehören zu den extremsten Landeplätzen in Europa – letzterer aus der Reihe ist so ohne Weiteres nicht einmal auf Google Maps ausfindig zu machen. Jetzt darf man sich vorstellen, wie sich eine Jungpilotin allein bei dem Gedanken an die Landung auf solchen Bahnen trotz Begleitung durch einen erfahrenen Fluglehrer fühlt – respekterfüllt trifft es unter Umständen ganz gut. Letztlich bedeutet es aber euphorischen Nervenkitzel und unglaublich viel Spaß sowie Begeisterung gegenüber der eigenen Maschine. Denn es vermag UL-Flieger zu geben, die in solchen Extremsituationen ihrer Kompetenzen allmählich versagen – nicht so die VL3, der sowohl weder die Höhen noch die Länge der Landebahnen oder engen Talspitzen ein Hindernis darstellten. Und wo sie sich mit Benzin alle drei Tage zufriedengab, war ich nach den täglichen Abenteuern jeden Abend dankbar um das gute Glas französischen Wein, das ausgezeichnete Menü des Chateaus in Challes-les-Eaux und die anregenden Gespräche mit den anderen VL3-Piloten. Rückblickend auf das Alpentraining kann man wohl sagen, dass es vielleicht kein großer Schritt für die Menschheit, aber dafür ein fliegerischer Erfahrungssprung nach vorn für alle Piloten war, die daran teilgenommen haben.

  • Ein Jahr VL3 Evolution
  • Ein Jahr VL3 Evolution
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Ein Tag am Strand

Zurück in der Realität – zumindest gewissermaßen – erfüllte mir ein weiteres Ziel einen langgehegten Wunsch – wie oft habe ich mir an heißen Sommertagen erhofft, zur Abkühlung nicht das überfüllte Freibad aufsuchen zu müssen, sondern meine Füße ins größte Schwimmbecken Deutschlands tauchen zu können, die Ostsee. Bei normalerweise über acht Stunden Anreisezeit mit dem Auto, fiel das immer eher in die Kategorie Wunschdenken. Heißt das Gefährt, mit dem man diese Strecke auf sich nimmt jedoch nicht Auto, sondern VL3 wird aus acht einfach eineinhalb Stunden und man ist pünktlich zum zweiten Kaffee in Stralsund. Das mit den Füßen im Wasser hat zwar an diesem Tag rein temperaturbedingt nicht funktioniert, aber es ist doch immer gut zu wissen, welche Möglichkeiten man hat. Wie man auch in der Flugschule lernt, sollte man zur Verhinderung von Aufmerksamkeitsverlusten nie mit knurrendem Magen fliegen, daher gab es im Anschluss an den Weiterflug entlang der traumhaften Ostseeküste nach Itzehoe Mittagessen am Flugplatz „Hungriger Wolf“. Den krönenden Tagesabschluss bildete der Rückflug, der in unter zwei Stunden einmal quer durch halb Deutschland führte und neben imposanten Wolkenformationen begleitet wurde von traumhaften Regenbögen – ich weiß jetzt, wo die Goldtöpfe liegen.

…und vieles mehr.

Zusammenfassend, hat sich zumindest in meiner Wahrnehmung sowohl der Spruch: „Europa wird klein mit der VL3“ als auch „Faszinierend kompromisslos“ durch und durch bestätigt. Sogar so sehr, dass ich das kommende Jahr kaum abwarten kann.

Auch wenn man es rein objektiv auf den ersten Blick nicht so aussieht, entstammt diese Hommage an die VL3 nicht meinem universitäts- und beratergeprägtem Wissen für Marketing und Vertrieb – das ist mein voller Ernst! Und wer es jetzt immer noch nicht glaubt, sollte mich und sie bei einem Probeflug doch einfach mal persönlich kennenlernen.

Happy New Year!

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